Ausländerbeauftragter
von Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung, 20.02.2002
"Ausreiseeinrichtung" in Halberstadt:
Ausländerbeauftragter skeptisch
Kritisch hat der Ausländerbeauftragte der Landesregierung, Günter
Piening, die Einrichtung einer "Zentralen Ausreiseeinrichtung" in Halberstadt
kommentiert. Es sei fraglich, ob dieses der richtige Weg sei, die Rückkehr von
abgelehnten Asylbewerbern in ihr Heimatland zu fördern, erklärte Piening nach
Gesprächen in Halberstadt am 20.2.02. Gleichzeitig kündigte Piening an, dass
er im September eine umfassende Anhörung durchführen werde, auf der die Erfahrungen
mit der umstrittenen Einrichtung aufgearbeitet werden sollen.
Die "Zentrale Ausreiseeinrichtung" ist seit dem 1. Januar auf
dem Gelände der "Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber" (ZAST) in Halberstadt
eingerichtet. Hierher sollen aus den Kreisen und kreisfreien Städten bis zu
100 abgelehnte Asylbewerber gebracht werden, bei denen eine Abschiebung bisher
nicht möglich war. Durch Konzentration dieser Konfliktfälle in Halberstadt erhofft
man sich, die Passbeschaffung zu fördern und Möglichkeiten zur Abschiebung zu
finden.
Am Mittwoch, den 20.2. besuchte der Ausländerbeauftragte der Landesregierung
die ZAST Halberstadt, um sich vor Ort und in Gesprächen mit Vertretern des Landkreises,
der Stadt und der ZAST ein Bild zu machen. Piening erklärte im Anschluss an
die Gespräche: "Meine Skepsis bleibt. Ausreise oder Abschiebung von abgelehnten
Asylbewerbern sind von der Natur der Sache her eine sehr konfliktreiche Angelegenheit.
Dafür sind die Interessen einfach zu gegensätzlich. Meines Erachtens sind die
dezentralen örtlichen Strukturen viel besser geeignet, Rückkehrhindernisse aus
dem Weg zu räumen."
Sehr viel Kritik mache sich, so Piening, auch daran fest, dass
die Ausreiseeinrichtung ausgerechnet auf dem Gelände der ZAST aufgebaut werde.
Piening: "In der ZAST leben die Asylbewerber die ersten Wochen nach ihrer Ankunft
in Sachsen-Anhalt. Danach werden sie auf die Landkreise verteilt. Es ist leicht
nachvollziehbar, dass sich in der ZAST-Phase viele Unsicherheiten und Spannungen
bündeln, deren Bewältigung keine leichte Aufgabe ist. Nun werden in diese schon
eh fragile Einrichtung neue Konflikte hineingebracht."
Aufgrund der breiten Bedenken begrüßte es der Ausländerbeauftragte,
dass Innenminister Dr. Manfred Püchel die Ausreiseeinrichtung zunächst auf ein
Jahr begrenzt habe. Piening kündigte an, dass er im September eine Anhörung
durchführen werde, an der die beteiligten Institutionen, die Stadt und der Landkreis,
der Städte- und Gemeindebund sowie Wohlfahrtsverbände und Flüchtlings-organisationen
ihre Erfahrungen mit der Ausreiseeinrichtung darstellen sollen. Auf der Basis
dieser Anhörung werde er seine Stellungnahme gegenüber der Landesregierung verfassen,
ob das Projekt fortgesetzt werden soll.